Aktienboss


Blase und Crash

Inhalt

  • Was ist ein Crash? Eine etwas übertriebene Beschreibung. ;)
  • Die Finanzkrise 2008 kurz erklärt.
  • Zusatzlink: Die Tulpenkrise oder "Blumenzwiebel gegen deine Villa?" André Kostolany kommt zu Wort.

"Muaaaaaaahhcchhh... chhhhhh"

Börsencrash

Es ist soweit, die (Finanz-)Welt geht unter. Es fliegen mehr Banker aus Hochhäusern, als einst Tauben von den Dächern, die Erde brennt und die Börse wird lange Zeit geschlossen bleiben. Gertrude und Reinhold haben nach ihrem 40jährigen Arbeitsleben ihr letztes Hab und Gut an der Börse mit Telekom-Aktien verloren die ganze Familie rennt schreiend im Kreis.

 

Nach diesem Crash wird die Welt eine andere sein, die Aktienkurse rasen ins Bodenlose und werden sich nie wieder richtig erholen und alte Höchststände sehen. Wer nur in Aktien investiert war, hat seinen eigenen Ruin eingeläutet. Eine Nachricht der Presse jagt die nächste: Es wird zur Währungsreform kommen, die Deutsche Mark soll über das Wochenende wieder eingeführt werden und dein Erspartes hat über Nacht den Wert von einem halben Karton gammeliger Eier.

 

Die Banken sind geschlossen, niemand kann vorher seine wohlverdienten Kröten abheben, um es schnell in Edelmetalle oder Obstwiesen zu tauschen. Und auch Goldbesitzer werden merken, dass Erasco-Büchsen die bessere Wahl gewesen wären, spätestens nach dem ersten Versuch, einen Krügerrand mit den Backenzähnen zu zermahlen, um das quälend-schmerzende Knurren in der Magengegend zu beruhigen. Kein Bauer besitzt mehr schimmelige Kartoffeln, die er gegen die Goldmünzen eintauschen möchte, Brot wird auch nicht mehr produziert.

 

Ein verrückter Pharmaziemitarbeiter lässt aus Rache über seinen Börsenverlust gefährliche Viren frei und es dauert nicht lange, bis dir Ted & Toro nach deinem Hirn grabschend vor dir stehen. Hochhäuser lodern auf, die Straße ist aufgerissen und du kniest mit dicken Tränen in den Augen vor der Vernichtung all deines Besitzes. Die Zombieapokalypse ist ausgebrochen!


Finanzkrise 2008

Die eben dargestellte Situation ist bewusst übertrieben, allerdings stellt sie in Ansätzen dar, wie sich viele Anleger in heftigsten Crashzeiten fühlen und panikartig ihre Aktienbestände abstoßen. Solltest du dir Finanznachrichten aus dem Jahre 2008 angucken, so wirst du u.a. Begriffe wie "globales Schlachtfest" etc. finden.

 

Erhöht sich der Rhythmus solcher Mitteilungen, so ist es nur allzu verständlich, dass viele Anleger keinen klaren Kopf bewahren und irrational handeln. Davon ab, wenn du der Meinung bist, dass das Abstoßen deiner Aktien in solchen Phasen eine rationale Entscheidung ist, dann mag das sogar stimmen wer weiß das schon vorher?!

 

Wir wollen kurz auf die Finanzkrise 2008 eingehen und dir einige Punkte erläutern, aus welch verrückten Situationen heraus die Immobilienblase geplatzt ist und wie es zu den weltweiten Verwerfungen an den Aktienmärkten kam.


"Der Herr, dürfte ich ihnen 200.000 Dollar leihen?!"

Finanzkrise

Stell dir vor, dass du Kredite an jedermann vergeben dürfest, selbst an den Bullen in diesem Zustand. Würdest du das machen? Die Antwort kennen wir: NEIN, natürlich nicht!

 

Anders gefragt: Nehmen wir an, dass du Kredite an jedermann vergeben dürfest und dafür satte Provisionen erhältst. Deinem Arbeitgeber (Bank) ist es egal, wem du Kredite aufschwatzt, da er diese einfach verkauft und somit die Risiken vor Zahlungsausfällen weitergibt so oder so, es wird Geld verdient! Na, hier ist die Antwort schon schwieriger, oder?

 

Selbstverständlich ist das Thema wesentlich komplexer, aber aufs Einfachste runtergerissen ist genau das passiert. Losgelöst von den Einkommensverhältnissen konnte nun jedermann fremdfinanzierter Häuslebesitzer werden. Dass das nicht ewig gut gehen konnte, erscheint rückwirkend betrachtet mehr als logisch.


Die Immobilienblase – kurz und knapp

Die Leitzinsen in den USA hatten auf Grund der geplatzten Technologieblase (2000) und 9/11 (Terroranschläge 2001) im Jahre 2003 ein niedriges Niveau von 1% erreicht, da man extremen wirtschaftlichen Verwerfungen vorbeugen wollte. Diese lockere Geldpolitik sollte ein Grundstein für die in den nächsten Jahren maßlosen Übertreibungen des Immobilien-Booms werden. Man bekam günstige Kredite und jeder konnte stolzer (und verschuldeter) Hausbesitzer werden.

 

Parallel dazu setzte eine weitere, ziemlich fragwürdige Entwicklung ein: Im Haifischbecken wurden Finanzprodukte kreiert, mit deren Hilfe sich die Banken ihrer Risiken entledigen konnten. Man bündelte viele Hypothekenkredite der Schuldner und veräußerte diese Pakete an Dritte. Einfach ausgedrückt: Die Zinszahlungen der verschuldeten Häuslebauer fließen nicht mehr an die Bank, sondern an dich. Du hast auf gut Deutsch die Zinszahlungen gekauft und besitzt nun das Risiko, dass viele dieser Häuslebauer ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Die Bank ist nun raus und besitzt keine Zahlungsausfallrisiken mehr - vorausgesetzt, es wurde eine bestimmte Mindestlaufzeit überschritten.

 

Hinzu kommt ein weiteres Produkt, dass die Banken selbst vor Zahlungsausfällen schützen sollte. Gegen Gebühr konnten sie sich eine Art Kreditausfallversicherung zulegen, sodass eine andere Partei für mögliche Zahlungsausfälle aufkommen musste. Bis dato lief alles prächtig, sowohl für die Häuslebauer als auch für die Banken. Die Immobilienpreise stiegen stetig, sodass die Hausbesitzer dabei zusehen konnten, wie lohnenswert ihre kreditfinanzierte "Investition" war.


Die Rolle der Ratingagenturen

Die Ratingagenturen (Börsenlexikon?) bewerteten diese Finanzprodukte mit einem AAA-Rating, der höchsten Bonitätsstufe, sodass auch Big-Business-Player, sprich professionelle Investoren, auf die gebündelten Hypothekenkredite aufmerksam wurden und diese in sehr, sehr, sehr großem Stil einkauften.

 

Ein AAA-Rating erhalten übrigens die sichersten Staatsanleihen der Welt - somit wurden diese Finanzprodukte hinsichtlich ihres Risikos auf dieselbe Stufe gestellt, mit einem Unterschied: Es gab mehr Rendite. Vielleicht möchtest du unsere Rubrik "Risiko & Rendite" lesen, um die Abhängigkeiten dieser beiden Begriffe besser einordnen zu können?

 

Viele Kritiker merken bis heute an, dass hier ein Interessenkonflikt vorliegt, da sich diese Agenturen für ihre Bewertungen gut entlohnen lassen. Wer gibt schon dem Geldgeber schlechte Bewertungen? Ergänzend bedeutet ein hohes Verkaufsvolumen dieser Produkte automatisch auch, dass die Agenturen mit ihren positiven Bewertungsmethoden begehrter werden.

 

Im Zuge der damaligen Immobilienblase gings immer noch stetig bergauf. Man konnte sich mit wenig Risiko verhältnismäßig viel Rendite gönnen.


Die biersaufenden Bullen kommen ins Spiel (siehe Bild)

Natürlich sind niedrige Einkommensschichten nicht mit biersaufenden Bullen vergleichbar. Wir übertreiben wie immer gerne. Trotzdem: Irgendwann war der Markt gesättigt. Die "normalen" Häuslebauer waren bedient, sodass immer weniger neue Kredite vergeben wurden, dabei lief das Geschäft doch grade so gut...

 

Na, aber es gibt doch noch viel mehr Menschen, die Bock auf Eigentum haben, insbesondere die niedrigen Einkommensschichten. Kein Normalsterblicher würde hier das Risiko einer Kreditvergabe in damaligen Sphären eingehen, allerdings musste der Rubel weiterrollen!

 

Und nun gehts los: Es wurden massenweise Kredite an "zweitklassige Schuldner" vergeben. Hierzu konnten durchaus Personengruppen gehören, die bereits Zwangsversteigerungen hinter sich hatten, Privatinsolvenzen durchlebten oder einfach kaum etwas verdienten. Klingt verrückt, aber wenns ums Geld geht...

 

Durch die stetig steigenden Hauspreise besaß man doch Sicherheiten. Hinz & Kunz konnten sich nun ein fettes Anwesen mit Pool leisten würde es zu Zahlungsausfällen kommen, so hätte man das Haus + Wertsteigerung weiterverkauft. Das Risiko war extrem niedrig, argumentierte man. Ergänzend gab es ja auch noch die Kreditausfallversicherungen und die Möglichkeit, die gebündelten (mittlerweile faulen) Hypothekenkredite weiterzuverkaufen. Am Rating änderte sich nichts: AAA.


Der Leitzins wird erhöht

Immobilienblase

Auf vertragliche Regelungen bei der Kreditvergabe wollen wir nicht näher eingehen, allerdings wurden die Leitzinsen zwischen 2004 und 2006 wieder erhöht, sodass sich auch die Zinsbelastungen einiger Kreditnehmer verdoppeln konnten. Das ein "biersaufender Bulle" nun ziemliche Probleme bekommt, erscheint mehr als logisch. Es kam zu extremen Zahlungsausfällen: Alle, die sich nun über Finanzprodukte diese Probleme ins Haus geholt hatten, kamen in schlimmes Fahrwasser. Dazu gehörten beispielsweise auch deutsche Banken, die letztendlich mit den bekannten "Steuergeldern" gerettet werden mussten.

 

Die Blase fing an zu platzen und die Hauspreise sanken in den Keller. Die Investmentbank "Lehman Brothers" kippte 2008 um und die "Party" hatte ihr jähes Ende gefunden. Das Platzen der Immobilienblase festigte sich zu einer globalen Finanzkrise, die Banken trauten sich hinsichtlich ihrer Finanzprodukte gegenseitig nicht mehr, sodass plötzlich keiner mehr Kredite vergeben wollte es kam zu einem Liquiditätsproblem. Und noch heute leiden wir an den Folgen dieser Zeit. Manch böse Zunge mag behaupten, dass wir Krisen nach demselben Prinzip bekämpfen. Falls du dabei an die Niedrigzinspolitik und das fleißige Gelddrucken denkst, dann ist das völlig legitim.

 

Wir betonen es immer wieder: Wann und wodurch der nächste Crash ausgelöst wird, weiß niemand. Leider führen solche durch maßlose Gier herbeigeführten Ereignisse zu viel "Angst" gegenüber Aktien. Insbesondere die Deutschen haben ein ungesundes oder gesundes (je nach Perspektive) Misstrauen gegenüber Wertpapierinvestments.


Die Tulpenkrise

"Ich tausche diese Blumenzwiebel gegen deine Villa mit Pool!"

 

Dieses Angebot hätte möglicherweise im 17. Jahrhundert in Holland funktioniert. Möchtest du mehr wissen? Zusätzlich kannst du etwas über den "Bildzeitungsindikator" erfahren Kostolany kommt auch zu Wort.


Börsencrash

Anleihen

 

Als Aktionär/Aktionärin bist du Miteigentümer/Miteigentümerin einer Aktiengesellschaft. Besitzt du jedoch Anleihen, so hast du deine Kohle nur verliehen selbstverständlich bekommst du dafür Zinsen. Somit bist du Gläubiger und nicht Miteigentümer. Ted benötigt neue Kohle, aktuell über verschiedene Anleihen.



Ein Buch für die Kritischen, es geht eben nicht nur um Ausschüttungen: "Dividenden Investor" (Link zur Buchrezension)