Aktienboss


Behavioral Finance

Inhalt

  • Was bedeutet Behavioral Finance?
  • Psychologische Fallen beim Investieren
  • Bestätigungs- und Selbstüberschätzungsfalle
  • Vermeidung psychologischer Fallen

"Mein Bankberater und mein Kumpel haben gesagt, dass die Aktien gut sind!"

Behavioral Finance

Toro hat einen fetten Aktienverlust erlitten. Natürlich findet er direkt die Verantwortlichen: Sowohl sein Bankberater (Aktienhengst und Wertpapier"experte") als auch sein Zockerkumpel "Rolle die Ratte" rieten ihm zum Kauf der Aktien, mit denen der Bulle wahrlich einen großen Griff ins Klo unternommen hat. Was das Ganze mit psychologischen Aspekten und der "Behavioral Finance-Theorie" zu tun hat, wollen wir dir nun erklären.

 

Kurz am Rande: Die Behavioral-Finance-Methoden sind das dritte und jüngste Analyseverfahren (neben der fundamentalen und technischen Analyse). Manch Spekulant nutzt sein Wissen über die folgend thematisierten psychologischen Fallen, um bestimmte Kauf- und Verkaufszeitpunkte festzulegen. Wir jedoch wollen dir einfach nur ein paar typische Fallen vorstellen und keine Ratschläge zu "guten" oder "schlechten" Handlungszeiten (Kaufen/Verkaufen) geben.


Was bedeutet Behavioral Finance?

Die "Behavioral Finance-Theorie" könnte man mit "verhaltensorientierter Finanzmarkttheorie" ins Deutsche übersetzen. Sie thematisiert insbesondere irrationales Anlegerverhalten, das auf viele psychologische Aspekte zurückzuführen ist. Lange Zeit ging man in den Finanztheorien davon aus, dass sich Investoren "vernünftig" (fast schon mechanisch) verhalten. Die Auswahlkriterien für bestimmte Anlageklassen und Aktien waren rationaler Natur, immer unter Berücksichtigung der Maximierung des wirtschaftlichen Nutzens − so glaubte man.

 

Wer sich selbst oder Toro beim Investieren beobachtet, wird schnell feststellen, dass da doch etwas nicht stimmt. Es soll nur "rationales" Anlegerverhalten geben? Jeder Investor wird irgendwann während seiner "Börsenkarriere" in psychologische Fallen tappen. Das ist auch ganz normal und absolut in Ordnung, solange man das nötige Reflexionsvermögen besitzt und sich stetig dieser Fallen bewusst ist, um sie reduzieren zu können. Doch um was für "Fallen" geht es im Detail, mit der sich die Behavioral Finance-Theorie unter anderem auseinandersetzt?


Psychologische Fallen beim Investieren

Gehen wir direkt auf Toro bzw. das Bild ein: Klassische Verantwortungsabgabe. Der Aktienhengst und Toros Kumpel Rolle haben auf ein bestimmtes Trendunternehmen geschworen und die Aktien als heißen Tipp angepriesen. Je mehr Tipps der Bulle von anderen und (selbsternannten) Experten erhält, desto größer wird der soziale Druck auf ihn, sodass er letztendlich schneller eine Entscheidung in die Richtung treffen wird, die ihm angepriesen und vorgelebt wurde.

 

Es geht einfach um den allzu menschlichen Glauben daran, dass eine größere Gruppe nicht falsch liegen kann. Redet dein ganzes Umfeld z.B. positiv von Bitcoins, so wirst auch du zwangsläufig positiv beeinflusst. Vielleicht hast du unsere Seite schon durchstöbert und bist auf den Begriff "Herdentrieb" gestoßen. Wir haben das so formuliert: "Zwischen den ganzen Schafen kann man deine eigene Wolle gar nicht mehr erkennen" oder "Du kennst die anderen Schafe nur von hinten, aber ihre Gesichter nicht!". Damit soll lediglich zum Ausdruck gebracht werden, dass es sich um "Mitläufer" handelt, die ihre Entscheidungen von der Masse (unbewusst) abhängig machen.

 

Psychologisch ausgedrückt: "Es geht um die Tendenz, das eigene Denken der allgemeinen bzw. vorherrschenden Meinung anzupassen." Hattest du einen Außenseiter in deiner Schule, den alle bescheuert fanden? Was glaubst du, wie viel Prozent der Leute diese Person wirklich kennengelernt oder lediglich die Meinung der anderen übernommen haben?

 

Du bist selbst verantwortlich für dein Handeln, niemand sonst. Kauf nicht irgendwelche Aktien, nur weil sie gerade Trendy sind oder ein großer Starinvestor ebenfalls eingestiegen ist. Bilde dir immer selbst eine Meinung. Beste Freunde sind übrigens oft die schlechtesten "Anlageberater", da wir ihrem Urteil schnell vertrauen. In anderen Lebenslagen super, beim Investieren oft verlustreich.


Bestätigungsfalle

Bestätigungsfalle

Hast du dich einmal für eine Aktie entschieden und diese gekauft, so kann es schnell passieren, dass du später in die Bestätigungsfalle trittst. Ganz einfach ausgedrückt kann das bedeuten, dass du nur noch Inhalte und Nachrichten bewusst wahrnimmst, die dein ohnehin schon getroffenes Urteil bestätigen.

 

In der Verhaltenspsychologie spricht man auch gerne von der "selektiven Wahrnehmung". Stell dir einen Scheinwerferspot im Theater vor, der nur einen kleinen Teilbereich kreisrund ausleuchtet. Ähnlich kann es dir ergehen, wenn du nur noch selektiv – und zwar die "passenden" – Informationen verarbeitest.

 

Du kennst bestimmt folgenden Spruch: "Ich habe schon immer gewusst, dass diese Person ein Arschlo.. ist!" Wurde ein schnelles Urteil gefällt, so fallen uns negative Charakterzüge wesentlich verstärkt auf – wir betrachten die Person im Scheinwerferspot, sprich selektiv. Diese negativen Charakterzüge werden dann auch noch wie durch eine Lupe stärker wahrgenommen, als sie möglicherweise tatsächlich sind.

 

Tappen wir in die Bestätigungsfalle, so fehlt uns die nötige Objektivität, um uns "rationale Investoren" nennen zu dürfen.


Selbstüberschätzungsfalle

Selbstüberschätzung

Du bist selbstverständlich der beste Autofahrer/die beste Autofahrerin, davon ab könntest du LOCKER die Arbeit deines völlig überbezahlten Chefs miterledigen. Auch der Aktienhengst hält sich für den kompetentesten Wertpapierberater und "High-Potential-Investor".

 

Es mag ja sein, dass das alles auf dich zutrifft, allerdings werden fast alle Menschen (früher oder später) Opfer der Selbstbestätigungsfalle. Man hält sich einfach für überdurchschnittlich kompetent in bestimmten Bereichen, obwohl man es möglicherweise gar nicht ist.

 

Wenn du dich langfristig mit der Thematik "Aktien" beschäftigst, so wird dir auffallen, dass die meisten Anleger überhaupt keine Verluste verbuchen. Es ist ganz einfach so, dass schlechte Investitionsentscheidungen schön verdrängt werden. Das äußert sich auch beim "Aussitzen" von Verlusten im Depot: Das Unternehmen steht 30% im Minus? Egal! Man verkauft einfach nicht (unabhängig von der objektiven Unternehmenslage) und versucht die Situation auszusitzen. Würde man nun verkaufen, da die Aktiengesellschaft evtl. die vorher festgelegten Kriterien nicht mehr erfüllt, so müsste man sich auch eine Fehlentscheidung bei dieser Investition eingestehen und genau das können (unbewusst) viele Menschen nicht. Und wenn man schon eine Fehlentscheidung irgendwie eingestehen muss, dann tragen natürlich immer die anderen die Schuld (siehe Toro).

 

Hast du schon mal etwas von der sogenannten "Verlustaversion" bei der Aktienanlage gehört? Verluste schmerzen viel mehr als gleich hohe Gewinne. -10% bringen deinen Puls schneller zum Rasen als +10%. Viele Anleger verkaufen viel zu früh bei kleinen Gewinnen und halten ihre Verlustaktien bis in alle Ewigkeit, selbst wenn es keine positiven Unternehmensnachrichten mehr gibt = Schmerzvermeidung.

 

Manch einer spricht auch von der "selbstwertdienlichen Verzerrung", wenn sich beispielsweise das Aussitzen eines Verlustes als doch noch positiv herausstellt. Nur: In 99,99% der Fälle glaubt die Person auch, dass diese positive Wendung der eigene Verdienst sei, was natürlich i.d.R. absoluter Blödsinn ist. Insbesondere Experten neigen nachgewiesenermaßen zur Selbstüberschätzung und auch zur selbstwertdienlichen Verzerrung (so z.B. einige Fonds- und Starmanager).


Vermeidung psychologischer Fallen

  • Du liest unsere Seite, damit hast du den ersten Schritt getan. ;)
  • Du kaufst einfach nur ETFs und besparst diese bis zur Rente, egal was passiert.
  • Sei dir dieser Fallen bewusst, beobachte dich selbst kritisch und informiere dich immer mehrdimensional, nutze dazu auch die Aktienanalyse.
  • Aktien können und dürfen Spaß machen (sonst gäbe es unsere Seite nicht) Investitionsentscheidungen sollten allerdings rein rationaler Natur sein.
  • Quatsche mit Kollegen über Aktien, auch das darf Spaß machen, aber handle nicht nach ihren Ratschlägen. Selbst ist der Mann/die Frau.

Behavioral Finance

Aktiensplit

 

Toro bekommt mal wieder sein Finanzhorn, nachdem sich auf einmal die Aktien eines seiner Unternehmen im Depot verdoppelt haben. Er glaubt, dass ihm die Aktiengesellschaft ein Geschenk gemacht hat. Ob das stimmt und was ein Aktiensplit überhaupt ist, erfährst du in dieser Lektion.



Du willst lesen, lesen, lesen? Bitteschön: Buchtipps