Aktienboss


Dividendenadel

Inhalt

  • Dividendentitel von Adeligen eine gute Basis fürs Aktienportfolio.
  • Was ist eine Dividendenstrategie und welche Regeln gibt es?
  • Aktuelle Probleme der Dividendenstrategie.

"Ihr könnt euch nicht mal Brot leisten? Dann esst eben Kuchen..."

Dividendenaristokrat

Tja, vielleicht kommt dir das Gerücht über dieses Zitat von der französischen Königin "Marie Antoinette" bekannt vor?

 

Aus purer Liebe zu ihrem "Ziehsohn Warren" haben Ted & Toro natürlich auch ein mit Blattgold überzogenes Bild von ihm im Salon hängen, selbst wenn er nur aus bürgerlichen Verhältnissen stammt. Doch sein Handeln und Vermögen ist durchaus blaublütig und somit adelig, auch wenn seine Firma "Berkshire Hathaway" keine Dividenden ausschüttet, da Warren aus einem Dollar locker zwei machen kann und das Geld bei ihm mit Sicherheit besser aufgehoben ist, als bei dir.

 

Du solltest dich für diese Lektion mit den Begriffen "Bilanz", "Eigenkapital-" und "Ausschüttungsquote" auseinandergesetzt haben. Falls das noch nicht geschehen ist, kannst du das mithilfe einer vorangegangenen Rubrik nachholen: "Aktienanalyse"


Dividendenaktien – eine gute Basis fürs Portfolio

Die Dividendenstrategie ist selbstverständlich nicht das Nonplusultra des Investierens in Aktien. Wie bei allen Strategien gibts auch hier sowohl Vor- als auch Nachteile, wir sind jedoch der Meinung, dass die Vorteile, insbesondere für Aktienboss-Anfänger, wesentlich mehr Gewicht haben. Manche Investoren verfolgen nur eine Dividendenstrategie, was wesentlich besser ist, als überhaupt keine Strategie beim Investieren zu berücksichtigen.

 

Qualitätsunternehmen mit einer gesunden und wachstumsreichen Dividendengeschichte verfügen i.d.R. über sehr solide und gute Geschäftsmodelle, die sich seit langem bewährt haben. Zudem gibts einen stetigen Einkommensstrom, was auch hinsichtlich der Rente (um mal ganz weit nach vorne zu denken) sehr positiv sein kann. Dass Aktiengesellschaften allerdings nicht immer aus ihren Gewinnen Dividenden ausschütten, hast du ja bereits gelernt (siehe "Dividendenrendite & Ausschüttungsquote").

 

Mach nicht den klassischen Privatanlegerfehler, indem du lediglich die Daten des aktuellen oder letzten Jahres bewertest.


Dividendenstrategie

Wir sind nicht mehr im ETF-Modus, sodass du einiges berücksichtigen und auch immer wieder in regelmäßigen Abständen überprüfen solltest:

 

1. Seit wann zahlt das Unternehmen Dividenden?

 

2. Wie ist das Dividendenwachstum?

 

3. Wie hoch sind die Ausschüttungsquoten und zahlt das Unternehmen seine Dividenden aus den Gewinnen?

 

4. Gibt es Dividendenkürzungen? Wenn ja, warum?

 

5. Verfügt das Unternehmen über eine gute Dividendenrendite?

 

Wie gewohnt, werden wir dich mit vielen Hinweisen zu den einzelnen Fragen nun detailliert beglücken.


1. Seit wann zahlt das Unternehmen Dividenden?

Hast du ein Unternehmen wie beispielsweise Procter & Gamble als investitionswürdig identifiziert, so solltest du die Dividendenhistorie anschauen. Du entscheidest selbst, wie lange ein Unternehmen ordentliche Ausschüttungen aufweisen sollte, sprechen wir aber vom Dividendenadel, so sprechen wir unter Umständen auch über viele Jahre bzw. Jahrzehnte.

 

Vielleicht hast du den Begriff "Dividendenaristokraten" schon mal gehört. Wer zu den Aristokraten zählt, zahlt seit mindestens 25 Jahren eine Dividende, ohne diese gekürzt zu haben. Manche Investoren sprechen auch von der Stufe drüber: den "Dividendenkönigen". Bei Königen erhöhen sich die Jahre auf mindestens 50. Lass dich aber nicht verwirren, die Begriffe werden im Internet des Öfteren synonym genutzt.

 

Du musst selbstständig entscheiden, ob du ganz hart eine Grenze ziehst (25 oder 50 Jahre) oder z.B. nur bis zum Jahr 2000 zurückblicken möchtest. Je größer der Zeitraum, desto weniger Aktiengesellschaften wirst du logischerweise finden. Zu den Königen gehören nicht mehr viele Unternehmen, Procter & Gamble allerdings schon.

 

Die Dividendengeschichte der Unternehmen findest du auf einigen Finanzseiten oder direkt über die "Investor Relations" auf den jeweiligen Unternehmensseiten.


2. Wie ist das Dividendenwachstum?

Ein solider Dividendentitel steigert jährlich seine Dividende mit ebenfalls steigenden Gewinnen. Natürlich ist es "erlaubt", dass selbst der Dividendenadel in Abschwungphasen auch mal seine Ausschüttungen für einen bestimmten Zeitraum auf demselben Niveau belässt.

 

Gut, selbst eine um 0,5% erhöhte Dividende müsste man einem Mikrowachstum zurechnen. Wir sprechen jedoch von einer mindestens 5%igen jährlichen Steigerungsrate, gerne auch mal mehr. Zahlt deine auserwählte Aktiengesellschaft 2 Euro Dividende pro Aktie, so müsste sie, vorausgesetzt du verfolgst die hier getätigten Aussagen als Regelwerk, mindestens 2,10 Euro im Folgejahr an dich ausschütten. Als kluger Investor hast du bereits kapiert, dass hier langfristig auch ein sehr angenehmer Zinseszinseffekt ins Rollen kommen kann.

 

Natürlich funktioniert das nur sinnvoll, wenn die Gewinne gleichzeitig mitsteigen. Manche Unternehmen zahlen hohe Dividenden (leider auch über längere Zeiträume) aus der Unternehmenssubstanz.


3. Wie hoch sind die Ausschüttungsquoten und woher kommt die Dividende?

Ausschüttungsquote

Die  Frage nach der Dividendenherkunft, haben wir ja bereits in der Rubrik "Dividendenrendite & Ausschüttungsquote" beantwortet. Du erinnerst dich: Wird die Unternehmenssubstanz angegriffen oder stammen die Dividenden aus den Gewinnen?

 

Um zu überprüfen, ob das Unternehmen über einen stabilen, finanziellen Sockel verfügt, kannst du a) nach der Eigenkapitalquote schauen und b) die Ausschüttungsquote berechnen, um die Gewinne ins Verhältnis zu den Dividenden zu setzen (alternativ schaust du dir diese Werte auf verschiedensten Finanzseiten an).


a) Eigenkapitalquote

Eigenkapitalquote

Unternehmen mit einer höheren Eigenkapitalquote sind zu bevorzugen, zumindest innerhalb der Rubrik "Qualitätsunternehmen & Dividendenadel".

 

Eigenkapital = "das gehört uns!" Desto höher die Eigenkapitalquote, desto längere Durststrecken können überstanden werden (ohne Kredite aufnehmen zu müssen).

 

Eine Eigenkapitalquote von 40% und mehr ist bei Dividendenadel-Qualitätsunternehmen keine Seltenheit. Unter 30% sollte sie hier, in dieser Rubrik, wiederum nicht liegen - unsere Meinung! Wir suchen halbwegs krisenresistente Unternehmen.


b) Ausschüttungsquote

Eine Ausschüttungsquote von 50% - 60% ist beim Dividendenadel angenehm. Selbstverständlich unterliegt auch diese Quote einigen Schwankungen. Manchmal investieren selbst erfahrene Adelige in neue Unternehmenssparten und/oder Produkte etc. Werden hierfür Gewinne benötigt, so kann es durchaus mal sein, dass die Ausschüttungsquote niedriger liegt. Die Gründe dafür musst du recherchieren.

 

Viel höher sollte sie aber auch nicht steigen, da man dann davon ausgehen kann, dass die Aktiengesellschaft nicht genug Rücklagen bildet und wir wollen ja insbesondere als Aktienboss-Anfänger auch in krisenresistentere Unternehmen investieren. Gut, wenn ein Unternehmen überhaupt nichts mehr mit seinen Gewinnen anzufangen weiß, dann ist es selbstverständlich in deiner Geldbörse besser aufgehoben, als auf Geschäftskonten zu vergammeln.

 

Wiederholung: Krisenresistenz bedeutet nicht, dass diese Aktiengesellschaften in heftigen Crashzeiten viel weniger Kursverluste erleiden werden als die anderen Unternehmen. Allerdings besteht hier die wesentlich größere Wahrscheinlichkeit, dass sie weiterhin ganz gute Kohle verdienen. Zudem kann es durchaus sein, dass sich der Kurs nach dem Crash auch etwas besser und schneller erholt (aber wir besitzen keine Glaskugel zum Hellsehen).


4. Gibt es Dividendenkürzungen? Wenn ja, warum?

Dividendenkürzung

Och nö, jetzt hast du ´ne tolle Aktie gekauft und warst geil auf die fette Dividende, und dann erfährst du, dass diese gekürzt oder gar für das laufende Jahr gestrichen wird.

 

Solltest du eine Dividendenstrategie verfolgen, so wäre das ein ziemliches Ausschlusskriterium und Verkaufsargument für deine Aktien. Normalerweise passiert solch eine drastische Maßnahme beim Dividendenadel nicht, aber das ist keine Garantie.

 

Hier gilt wie immer: Recherchieren! Vielleicht gibt es ja gute Gründe, dass dein Unternehmen die Dividende kürzt? Neue, wachstumsreiche Unternehmenssparten, die aufgebaut werden? Sollte wiederum die Dividendenkürzung auf Grund stagnierender oder fehlender Gewinne zustande gekommen sein, wäre der Adelstitel tatsächlich verwirkt. Ganz konsequent raus damit bzw. gar nicht erst kaufen!


5. Verfügt das Unternehmen über eine gute Dividendenrendite?

Beim blaublütigen Dividendenadel sollte die Dividendenrendite bei ca. 3% im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs liegen. Verfolgt das Unternehmen weiterhin sein solides Wachstum, so wird von Jahr zu Jahr die Dividendenrendite für dich steigen logisch.


Zusammenfassung

Alle Punkte nochmals zusammengefasst mit entsprechender Verlinkung. Zur "Not" kannst du die einzelnen Beschreibungen auch im Börsenlexikon nachschlagen:

  • Ein solides Dividendenwachstum beläuft sich auf mindestens 5% und das jedes Jahr
  • keine Dividendenkürzungen, höchstens Stagnation in Abschwungphasen

Welche Kriterien (wie oft) verletzt werden dürfen, musst du selbst festlegen. Eine echte Strategie verfolgst du allerdings nur, wenn du dich dann bei entsprechender Regelverletzung auch von deinen Aktien (evtl. mit Verlust) trennen kannst. All das muss selbstverständlich immer individuell aus dem Kontext heraus entschieden werden.


Probleme

Aktuell sind leider nicht alle Punkte super umzusetzen, da wir uns in einer "zinslosen Welt" befinden und viele Investoren nach regelmäßigen Zahlungsströmen blicken und die Aktienkurse durch Zukäufe nach oben getrieben haben. Das bedeutet, dass unter fundamentalen Gesichtspunkten die meisten Adeligen aus der Dividendenecke etwas überbewertet erscheinen.

 

Momentan liegt bei vielen Aktiengesellschaften die Dividendenrendite in einem relativ "normalen" Bereich bei ca. 1 - 3%.

 

Zudem werden Ausschüttungen direkt versteuert, allerdings nur, wenn du deinen Sparerpauschbetrag über 801 Euro bereits ausgeschöpft hast, bis dahin sind sie steuerfrei. Ergänzend lässt du viele Wachstumsunternehmen links liegen, wenn du lediglich die Dividendenstrategie verfolgst, diese ist aber unter der Berücksichtigung von "Qualitätsunternehmen" für Anfänger gut geeignet.

 

"Was war noch mal der Sparerpauschbetrag?" Hüpf rüber zum Dummie-Modus: "Steuern für angehende Aktionäre"


Dividendenstrategie

Doppelbesteuerung bei Aktien

 

Besitzt du ausländische Aktien, so will das Quellenland im Falle von Ausschüttungen natürlich auch etwas vom Speck abhaben. Danach wird die Dividende noch vom deutschen Fiskus besteuert, sodass es zur Doppelbesteuerung kommt. Die Lösung: Doppelbesteuerungsabkommen.



In diesem Buch lernst du nicht nur etwas über die Dividendenstrategie: "Dividenden Investor" (seiteninterner Link)