Aktienboss


Doppelbesteuerung bei Aktien

Inhalt

  • Was bedeutet Doppelbesteuerung?
  • Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Ländern
  • Anrechenbare Quellensteuer, was soll das sein?
  • Quellensteuern können bürokratisch zurückgefordert werden
  • Tipps von Ted & Toro

"Bitte weiterreichen!"

Doppelbesteuerung

Was bedeutet Doppelbesteuerung?

Wenn du dir die Grafik anschaust dann verstehst du schnell, was "Doppelbesteuerung" bedeutet und warum diese Thematik für Aktionäre relativ doof sein kann. Vorweg: In den meisten Fällen ist die Geschichte allerdings sehr stressfrei und ohne zusätzlichen Aufwand erledigt.

 

Besitzt du ausländische Aktien, so möchte das jeweilige Land natürlich auch etwas vom Speck abhaben, vorausgesetzt deine Aktiengesellschaft schüttet Dividenden aus. Nehmen wir an, dass Ted das Finanzamt des Ursprungslandes ist, so behält er eine Quellensteuer ein und reicht den Rest der Kohle weiter. Der Dachs wiederum ist das deutsche Finanzamt und zieht ebenfalls noch die Abgeltungs- bzw. Kapitalertragssteuer ab. Du weißt ja bereits, dass diese in Deutschland 25% beträgt. In diesem Fall ist es zur Doppelbesteuerung gekommen: a) Direkt an der Quelle, sprich in dem Land, in dem die Aktiengesellschaft ihren Sitz hat und b) in Deutschland. Beim Bullen kommt somit die Dividende abzüglich der Doppelbesteuerung an, was ihn natürlich nicht sehr erfreut.

 

Ob eine Doppelbesteuerung tatsächlich sehr unangenehm ist, hängt in erster Linie von mehreren Möglichkeiten ab, welche wir dir nun vorstellen möchten.


1. Möglichkeit = super!

Du besitzt beispielsweise Aktien aus Großbritannien? Klasse, da dieses Land keine Steuern auf Dividendenausschüttungen erhebt = 0%. Das bedeutet, dass dir lediglich die 25% der deutschen Abgeltungssteuer abgezogen werden.


2. Möglichkeit = super!

Die Quellensteuer des jeweiligen Landes ist gleich der "anrechenbaren Quellensteuer". Was das nun wieder bedeutet, können wir dir ganz schnell näher bringen.


Doppelbesteuerungsabkommen

Deutsche Aktionäre/Aktionärinnen wollen und sollen selbstverständlich in erster Linie nach dem deutschen Recht besteuert werden. Hier beträgt die Abgeltungssteuer 25% vom Gewinn (nicht auf Kurssteigerungen bezogen), in unserem Beispiel vom Dividendengewinn. Den Solidaritätszuschlag und eine mögliche Kirchensteuer lassen wir mal außen vor. Mehr dazu kannst du hier erfahren: Abgeltungssteuer

 

Für den Fall einer Doppelbesteuerung wurden sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und vielen anderen Ländern beschlossen, die eine "Überbesteuerung" verhindern können.


Anrechenbare Quellensteuer

anrechenbare Quellensteuer

Beispiel: Du besitzt Aktien aus den USA. Hier gilt 15% Quellensteuer für dich. Wenn du nun Dividenden erhältst, so weiß das deutsche Finanzamt, dass du bereits 15% an der Quelle gelatzt hast und berechnet:

  • Deutsche Abgeltungssteuer 25%
  • - 15% bereits gezahlte Quellensteuer
  • übrig bleiben 10% deutsche Abgeltungssteuer

Beispiel:

  • 100 Euro Dividende
  • - 15 Euro Quellensteuer
  • übrig bleiben 10 Euro deutsche Abgeltungssteuer
  • gesamt: 25% Steuern, in unserem Fall somit 25 Euro.

Für dich ist das absolut stressfrei: Dir wurden wie bei einer deutschen Aktiengesellschaft ebenfalls nur die 25% abgezogen. Am Rande: Du wirst irgendwann die Info bekommen, dass in den USA eine 30%ige Quellensteuer abgezogen wird. Das stimmt auch, allerdings haben die (meisten) deutschen Banken ein Abkommen mit den USA, sodass für dich als deutscher Staatsbürger eine 15%ige Quellensteuer gilt (so auch die Comdirect).

 

Die maximal anrechenbare Quellensteuer beträgt übrigens 15%, mehr leider nicht. Was das im konkreten Fall für dich bedeutet, erklären wir mithilfe der 3. Möglichkeit.


3. Möglichkeit = nicht mehr so super (für den Anfänger)!

Nehmen wir mal an, dass ein ausländischer Staat 27% Quellensteuer (z.B. Dänemark) von deinen "sauer verdienten" Dividenden einbehält, in Deutschland aber leider nur 15% anrechenbar sind. Machen wir direkt eine Beispielrechnung:

  • 100 Euro Dividende
  • - 27 Euro (27% Quellensteuer)
  • anrechenbare Quellensteuer 15% (25% deutsche Abgeltungssteuer - 15% anrechenbare Quellensteuer = 10% bleiben übrig)
  • - 10 Euro (10% für das deutsche Finanzamt)
  • gesamte Steuern: 27 Euro Quellensteuer + 10 Euro Abgeltungssteuer  = 37 Euro

In diesem Beispiel hättest du also 37% an Steuern gezahlt und eben nicht 25%, obwohl das die deutsche Abgeltungssteuer für dich vorsieht. Für diesen Fall haben die Doppelbesteuerungsabkommen trotzdem eine etwas bürokratische Lösung parat, die sogenannte "rückforderbare Quellensteuer".


Rückforderbare Quellensteuer

Quellensteuer

Du hast nun das Recht, die 12%ige Differenz (die du zu viel bezahlt hast) zurückzuholen. Allerdings lohnt sich unserer Meinung nach der bürokratische Aufwand für kleinere Beträge nicht. Je nach Land musst du separate Formulare ausfüllen und den dort ansässigen Finanzämtern übermitteln. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass das deine Bank für dich erledigt. Du ahnst es bereits − sie macht das i.d.R. nicht kostenlos. Die hierfür fälligen Gebühren können schnell die rückforderbaren Steuern übersteigen, sodass sich dieser Weg für Kleinanleger oft nicht lohnt.

 

Übrigens: Wer Nestlé ganz toll findet − die Schweiz behält 35% Quellensteuern ein. Wie das "Zurückholen" aus der Schweiz funktioniert, kannst du bei Interesse wunderbar hier nachlesen: Handelsblatt

 

Was andere Länder betrifft, kannst du jeweils selbstständig recherchieren und/oder einen Steuerberater kontaktieren.


Tipps

  • Gehörst du zur Gruppe der Kleinanleger, so muss dich das Thema (noch) nicht wirklich interessieren − "kommt Zeit, kommt Rat". Generell gilt: Mach deine Investments nicht unbedingt vom Steuerthema abhängig.
  • Du kannst allerdings auch Aktien meiden, die aus Ländern stammen, wo es zu rückforderbaren Quellensteuern kommen würde. Das bedeutet aber auch, dass du evtl. einige gute Unternehmen links liegen lässt.
  • Es gibt trotzdem genug Länder der 1. und 2. Möglichkeit, sodass immer noch eine breite Diversifizierung bzw. Streuung deiner Investments stattfinden kann. Übrigens: Eine Übersicht der aktuellen Quellensteuern kannst du einfach über die Seite vom “Bundeszentralamt für Steuern” recherchieren.
  • Wir selbst haben viele gute Unternehmen aus den USA, Großbritannien und Deutschland (aber auch aus Dänemark etc.). Falls dich unser Aktiendepot interessiert (Stand 2017): Ted & Toros Aktienportfolio

Du hast Geschmack und stehst auf Ted & Toro? Besuch doch unseren "Boss-Shop"!