Aktien für Anfänger


Bewertungsgrundlangen und ETF-Abkürzungen

Inhalt

  • Bewertung der ETF-Gebühren mithilfe der TER- und TCO-Angaben.
  • Ein ETF läuft nicht genau gleich wie sein Index die Tracking Difference und der Tracking Error können Aufschluss geben.
  • Kleine vs. große ETFs
  • Spread Differenz zwischen An- und Verkaufspreis von Wertpapieren / ETF-Anteilen an der Börse.
  • Zusatzlink: Komplizierte ETF-Namen was bedeuten die ganzen Abkürzungen?!?

"Wirds nun etwas einfacher?"

"Ja, es wird nun tatsächlich wieder anfängerfreundlicher und inhaltlich recht einfach, versprochen Toro!"

 

Gebühren und alles Drumherum das sind die Themen dieser Lektion.


TER - Total Expense Ratio

Nichts ist umsonst zu haben, auch ETFs nicht. Die laufenden Kosten sind natürlich ein kleiner Nachteil gegenüber der Anlage in Einzelaktien. Allerdings halten sich diese Kosten im Rahmen. Die TER bzw. Total Expense Ratio, zu Deutsch "Gesamtkostenquote", ergibt sich aus verschiedenen Positionen des ETFs:

  • Verwaltungsgebühren
  • Marketinggebühren
  • Kosten für den Vertrieb etc.

Die TER wird täglich berechnet und vom Fondsvermögen abgezogen. Machen wir mal eine Beispielrechnung:

  • Wert des Fondsvermögen "heute": 50 Millionen Euro
  • TER: 0,30% = 150.000 Euro
  • 150.000 Euro : 365 = 410,99 Euro

Du siehst, dass sich die TER auf das tägliche Fondsvermögen bezieht, was auch logisch klingt. Dieses Vermögen kann am Jahresanfang 55 Millionen Euro wert sein und am Jahresende nur 50 Millionen Euro.

 

Natürlich bedeutet die TER nicht, dass täglich 0,30% abgezogen werden! Es wird einfach nur täglich 1/365 dieser 0,30% an Gebühren fällig.

 

Für dich bedeutet das Folgendes: Hast du 2.000 Euro angelegt und die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 0,30%, so rechnest du das der Einfachheit halber aufs Jahr um:

  • 2.000 Euro Anlagesumme
  • TER: 0,30% = 6,00 Euro

Somit würden sich deine laufenden Kosten auf ca. 6,00 Euro im Jahr für diesen ETF beziehen. Sollten deine Anteile am Jahresende 2.200 Euro wert sind, erhöhen sich dementsprechend die Gebühren (und umgekehrt).

 

Ergänzung: Diese auf Tagesbasis berechneten Gebühren werden nicht von deinem Konto, sondern vom benannten Fondsvermögen abgezogen. Des Weiteren ist eine niedrige TER sinnvoll, sollte allerdings nicht das einzige Auswahlkriterium bleiben.


TCO – Total Cost of Ownership

Ja, noch ein Kürzel, dass wir allerdings bei keiner ETF-Auswahl zu sehen bekommen. Die ETF-Herausgeber veröffentlichen i.d.R. nur die TER.

 

Die TCO bzw. Total Cost of Ownership (Gesamtkosten beim Besitz eines Anteils) geht über die TER hinaus. Jetzt dachtest du, dass die TER doch schon alle Kosten berücksichtigt. Nein! Die TER berücksichtigt alle Fixkosten, die bereits bekannt sind. Hinzu kommen noch weitere Kosten, die vorher nicht berechnet werden können, wie beispielsweise:

  • Swap-Gebühren bei synthetischen ETFs
  • Transaktionsgebühren für den Kauf und/oder Verkauf von Aktien etc.

Diese ganzen Kosten (TER und TCO) bedeuten, dass dein ETF nicht haargenau so läuft, wie der DAX. Wenn man beide Kursverläufe übereinanderlegt, fällt auf, dass ein ETF oft leicht darunter liegt. Logisch, wir hatten ja auch Ausgaben. Allerdings kann er witzigerweise auch etwas besser laufen, wenn du einen ETF auserwählt hast, der zusätzliche Gebühren durch z.B. die bereits thematisierte Wertpapierleihe erwirtschaftet hat.


Trekking "Jungs, bleibt dicht zusammen!"

Tracking Difference

"Immer diese Spinnen!" (Du kannst ja mal zählen, wie viele wir auf unserer Seite gezeichnet haben)


Tracking Difference

Die sogenannte "Tracking Differenz" bezieht sich auf die benannten Kosten und Gebühren, allerdings auch auf zusätzliche Einnahmen eines ETFs. Hier wird die prozentuale Differenz der Index- und ETF-Rendite über einen längeren Zeitraum dargestellt. Je dichter zusammen, desto besser.

 

Oder einfach: "Um wieviel Prozent ist der ETF schlechter oder besser gelaufen, als der Vergleichsindex?"

 

Für langfristig orientierte Investoren ist die Tracking Differenz ein wichtiger Bestandteil, um den ETF bewerten zu können.


Tracking Error

Mithilfe der Grafiken wird schnell ersichtlich, was der "Tracking Error" ist. In der 1. Grafik weist der ETF eine größere Schwankungsintensität auf (grau), der Vergleichs-ETF läuft hingegen in der 2. Grafik ruhiger. Die Benchmark bzw. Vergleichsgröße ist hier der DAX (schwarz).

Tracking Error
geringer Tracking Error

Ein stetig aktualisierter "Tracking Error" wird übrigens von den ETF-Herausgebern veröffentlicht, sodass du hier nicht wirklich Kursverläufe übereinanderlegen musst.

 

Wenn du zwei ETFs zur Auswahl hast, welche deinen individuellen Auswahlkriterien entsprechen, so "erzählt" dir der Tracking Error, ob einer dieser ETFs stärkere Preisschwankungen aufweist. Diese Schwankungen entstehen z.B. durch zusätzliche Kosten oder auch Einnahmen.

 

Der Tracking Error ist insbesondere dann von Interesse, wenn du Anteile kaufen oder verkaufen möchtest. Hinkt der ETF-Kurs grade verhältnismäßig stark hinterher, so würdest du im Falle eines Verkaufs natürlich auch weniger Kohle bekommen. Wenn du eher langfristig orientiert bist, ist der Tracking Error nicht so wichtig für dich.


Größe eines ETFs

Zu kleine ETFs solltest du vermeiden. Ganz einfach deshalb, da diese auf Grund zu geringer Rentabilität geschlossen werden können. Natürlich verlierst du dann nicht deine Kohle, ärgerlich ist es aber trotzdem. In diesem Fall müsstest du dir wieder einen neuen ETF aussuchen etc.

 

Die Größe eines ETFs bezieht sich auf das veröffentlichte Fondsvermögen. Hier gibt es verschiedene Antworten auf die Frage, ab wann ein ETF zu klein ist. Manch einer investiert nicht unter 20 Millionen Euro, andere wiederum finden die Summe 50 Millionen Euro (und größer) erst interessant.


Spread

Möchtest du ETF-Anteile kaufen, so kannst du dir in der Regel den Börsenplatz dafür aussuchen. Hier solltest du die "Spreads" beachten. Darunter versteht man die Differenz zwischen dem An- und dem Verkaufspreis.

 

Beispiel:

  • Verkaufskurs für einen ETF-Anteil: 10 Euro
  • Kaufkurs: 9,90 Euro
  • Spread = 1%

Der Verkaufspreis liegt in der Regel höher, da der Verkäufer natürlich mehr erhalten möchte, als der Käufer bereit ist zu zahlen. Dieses Prinzip kennst du auch vom Gebrauchtwagenkauf.


"Möchtest du ein Auto kaufen - oder eine Blume?"

Spread

Der Dachs hat ja mittlerweile eine richtige Abzockermentalität entwickelt. Na ja, bei UNS ist er NICHT in die Lehre gegangen. Erst will er uns in der 1. Lektion "Was ist ein ETF?" eine gammelige Blume andrehen, jetzt dieses "unfallfreie" Cabriolet und dann nochmal dieses ranzige Butterblümchen!

 

Ted: "Der macht doch seit ein paar Wochen ´ne Lehre zum Bankkaufmann!"

 

*hust*... Ted wieder, mit seinen oberflächlichen Schwarz-Weiß-Sprüchen! Tut uns leid... Egal, beachten wir ihn nicht, sprich "weiter im Text":


Beispiel für einen "Spread"

Bildquelle: comdirect.de

Spread

Wir haben mal nach einem sehr großen Fonds geguckt, dem "iShares Core MSCI World UCITS ETF" mit einem Fondsvolumen über ca. 8,9 Milliarden Dollar.

 

Je mehr Käufer und vor allem Verkäufer im Markt sind, desto höher ist somit auch die "Konkurrenz" und somit verringert sich auch der Spread bzw. die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufkurs an der Börse.

 

Der Spread wird übrigens auch "Geld-Brief-Spanne" genannt.

 

Geld = Kaufkurs, zu diesem Preis würden die Käufer Anteile erwerben.

 

Brief = Verkaufskurs, zu diesem Preis wollen die Verkäufer ihre Anteile loswerden.

 

Ein Spread von 0,05% ist relativ gering. Und hier liegt ein weiterer Vorteil von größeren ETFs: Sie sind liquider, da sie von vielen Teilnehmern an der Börse gehandelt werden.

Besonders kleine oder sogar winzige ETFs, mit einem geringen Handelsvolumen, weisen dementsprechend höhere Spreads auf.


Zusatzinfos

ETFs haben meistens für den Anfänger sehr abschreckende Namen: "Lyxor DAX (DR) UCITS ETF EUR".... Hä? Wenn du ein paar ETF-Abkürzungen entschlüsseln möchtest, dann können dir Ted & Toro dabei helfen:


ETF kaufen

Wir kaufen einen ETF

 

Wenn Ted uns schon ein paar Scheine zuwirft, können wir diese auch direkt zum Investieren nutzen. Wir zeigen dir u.a. die "wesentlichen Anlegerinformationen" und entschlüsseln diese gemeinsam. Wie immer gibts gegen Ende ein paar abschließende Tipps am Rande.



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