Aktien für Anfänger


Zusatzinfos

  • Die "optimierte Replikationsmethode" bei ETFs.
  • Swapvarianten: funded (besichert) und unfunded (unbesichert).
  • Kontrahenten- und Ausfallrisiken
  • Was bedeutet "Wertpapierleihe" und "Leerverkauf"?

Optimierte Replikationsmethode

Möchte ein ETF in einen breiten Index investieren, so muss er nicht alle Aktien kaufen. Nehmen wir mal den "MSCI World Index" mit über 1.630 Aktiengesellschaften. All diese Aktien zu kaufen wäre auf Grund der Transaktionsgebühren bzw. der "Kaufkosten" für die Investmentgesellschaft sehr teuer und würde auch deine ETF-Kosten erhöhen. Deshalb gibt es u.a. auch noch optimierte Replikationsmethoden.

 

Hier werden nicht alle Aktien gekauft. Eine repräsentative Auswahl der z.B. größten Titel reicht oft aus, um den Indexverlauf annähernd abzubilden. Selbstverständlich kann sich der ETF dann auch etwas anders entwickeln, als sein ursprünglicher Bezugswert. Man spricht auch vom optimierten Sampling.


Swaps

Es geht allerdings noch einfacher: Ein ETF hat nicht das, was er eigentlich will und würde gerne tauschen. Findet er einen Tauschpartner, so findet der Swap statt (natürlich nur auf der Ebene der Rendite, hier werden keine Aktien wie Fußballalben-Sammelbilder hin- und hergereicht).

 

Es geht allerdings noch komplizierter:

Nun wollen wir etwas unterscheiden, denn es gibt nicht nur "den" Swap, sondern verschiedene Swap-Varianten:

  • unfunded Swap
    • "unbesichert"
  • funded Swap
    • "besichert"

Funded Swap

Da neben dir und dem ETF-Anbieter noch eine weitere Tauschpartei ins Spiel kommt, besteht hier ein geringes Risiko, dass dieser Tauschpartner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann. Hierfür gibt es eine Lösung: Den "funded Swap", zu Deutsch: "besicherter Swap".

 

Schnell und simpel: Der Tausch- bzw. Swap-Partner hinterlegt Sicherheiten, die mindestens dem Tausch bzw. Swap-Wert entsprechen, somit ist der funded Swap überbesichert. Diese Sicherheiten bestehen auch hier in der Regel aus z.B. Aktien und/oder Anleihen.


"Swappy-Swap?"

Funded Swap

Na, das wäre doch ein klassischer "funded Swap". Unser nun nackter Windelteddy möchte noch eine zusätzliche "Sicherheit" als Beigabe für dieses Tauschgeschäft überreichen...


Das investierte Vermögen wird beim funded Swap treuhänderisch verwahrt und befindet sich nicht im direkten Besitz der Tauschpartner. Also müsste beispielsweise unser Erdmarder bzw. der Dachs (als außenstehende Partei) die befüllte Windel treuhänderisch verwalten.


Kommt es zum Ausfall des Tauschpartners, man spricht hier auch vom sogenannten "Kontrahenten", so reichen in der Realität die hinterlegten Sicherheiten aus. Das Kontrahentenrisiko kann somit (fast) ausgeschlossen werden. Nur leider dauert es länger, bis du an deine Kohle kommst, da das Vermögen außerhalb, also treuhänderisch, verwahrt wird.


Unfunded Swap

Zu Deutsch: unbesicherter Swap. Allerdings bietet der ETF-Aktienkorb ebenfalls eine Art Sicherheit (Börsianer sprechen bei Aktienkörben auch gerne von "Baskets").


Bleiben wir beim Thema DAX, damit es nicht zu Verständnisproblemen kommt: Es wurde ja gesagt, dass der synthetische DAX-ETF irgendeinen Aktienkorb hält, der nichts mit dem DAX zu tun hat. Sein Swap-Partner (z.B. die Mutterbank) liefert dann die Rendite vom DAX.


Beim unfunded Swap darf die Differenz des ETF-Aktienkorbes und der DAX-Rendite nicht 10% des Fondsvermögens übersteigen. Hier wären das somit maximal 5 Millionen Euro (wir gingen ja ursprünglich von einem Fondsvermögen über 50 Millionen Euro aus).


Jetzt muss man fairerweise sagen, dass die meisten ETF-Anbieter dieses Risiko wesentlich geringer halten. Ein Vorteil des unfunded Swaps besteht darin, dass der Aktienkorb als Sicherheit beim ETF-Herausgeber "gelagert" wird. Somit hättest du schnellen Zugriff auf deine Kohle, wenn es zum finanziellen Super-GAU kommt.


Zusammengefasst: Das Risiko des Tauschgeschäfts ist auf maximal (und gesetzlich festgelegte) 10% deines investierten Kapitals beschränkt.


Kontrahenten- und Ausfallrisiko

Zusammengefasst: Das Risiko bei einem unfunded Swap beträgt maximal 10% des Fondsvermögens.

 

Du solltest allerdings auch ein bisschen weiter denken, bevor du diese Variante gänzlich ausschließt: Von welchem Szenario müsste man ausgehen, wenn man glaubt, dass die Swap-Partner (meistens große Banken) in die Pleite rutschen? Klar, das kann man tatsächlich nicht ausschließen, allerdings hättest du dann wahrscheinlich andere Sorgen.

 

Wenn du an die Zombieapocalypse glaubst, kannst du dir auch gerne mal das Thema "Blase & Crash" durchlesen. Na ja, zumindest gibt es hier einen Zombie, das wars aber auch schon.


Wertpapierleihe

Ob synthetischer oder replizierender ETF, in beiden Fällen kann es ein weiteres Kontrahentenrisiko durch die sogenannte "Wertpapierleihe" geben. Das bedeutet, dass der ETF-Herausgeber die Aktien an Dritte gegen Gebühr verleiht, dieses jedoch nur gegen hinterlegte Sicherheiten. Dem ETF zufließende Gebühren erhöhen natürlich die Einnahmen und können auch für dich positiv sein.


"Kannst du mir was leihen? Ich geb´ dir auch solange Friedolin."

Wertpapierleihe

Der arme Toro! Keine Ahnung, wie lange er Friedolin schon mit sich rumschleppt. Kann ihm vielleicht jemand sagen, wie es seinem Haustierchen tatsächlich geht?!

 

Die Kapitalanlegegesellschaft kann die im Aktienkorb enthaltenen Wertpapiere gegen Gebühr an Dritte verleihen. Die Wertpapierleihe ist auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt, sodass die gleichen oder gleichwertige Aktien spätestens zu einem vereinbarten Termin wieder im Besitz des ETFs sind.

 

Sollten einige Unternehmen Dividenden ausschütten, während die Aktien nicht im Besitz des ETFs sind, stehen ihm diese trotzdem zu und werden vom Leihpartner erstattet. Durch das Ausleihen von Aktien kann der ETF seine Rendite optimieren, was beispielsweise geringere Gebühren für die Anleger zur Folge hat. Die Einnahmen werden eben nicht nur über die Aktien selbst, sondern auch über Leihgebühren erwirtschaftet.

 

"Aber warum sollte sich jemand überhaupt Aktien ausleihen?" Gute Frage, die wir dir direkt beantworten wollen.


Leerverkauf

Leerverkauf

Man kann mit Aktien sogenannte "Leerverkäufe" durchführen. Ganz einfach:

 

Du hast eine Aktie von Ted & Toro. Ich wiederum glaube, dass Ted & Toro bald nicht mehr so toll läuft und möchte auf einen fallenden Kurs spekulieren (was in diesem Fall absoluter Blödsinn wäre!). Da würde es natürlich keinen Sinn machen, wenn ich mir diese Aktie kaufe!

 

In diesem Fall würde ich dich bitten, mir deine Aktie gegen eine kleine Gebühr und eine Sicherheitshinterlegung zu leihen. Der Kurs von Ted & Toro steht grade bei z.B. 140 Euro. Ich nehme jetzt deine Aktie und verkaufe sie. Zack, habe ich 140 Euro. Das wäre aber zu einfach.

 

Sollte jetzt tatsächlich der Kurs auf beispielsweise 100 Euro fallen, dann kaufe ich eine Aktie und gebe sie dir zurück. Die hinterlegten Sicherheiten bekomme ich nun wieder. Übrig bleiben 40 Euro für mich! Das ist mein Spekulationsgewinn. Gut, ich habe dir vielleicht 5 Euro Gebühr für das Ausleihen gegeben und 5 Euro Transaktionskosten gehabt, sodass sich mein Gewinn auf 30 Euro reduziert. Ganz einfach.

 

Wäre der Kurs nun gestiegen und nicht gefallen, so hätte ich die Aktie trotzdem teurer kaufen und dir zurückgeben müssen. Da sich das Ausleihen auf einen vorher vereinbarten Zeitraum bezieht, kann ich auch nicht ewig darauf warten, bis die Aktie tatsächlich mal iiiirgendwann gefallen ist.

 

Das Risiko der Partei, welche die Aktie an andere ausleiht, ist auf den Wert der Aktie beschränkt (ohne Berücksichtigung der hinterlegten Sicherheiten). So würdest du maximal 140 Euro verlieren, wenn ich dir die Ted & Toro Aktie nicht zurückkaufen kann und insolvent bin.

 

Mein Risiko ist viel höher, theoretisch sogar unendlich hoch! Klar, die Aktie kann maximal 140 Euro verlieren, aber nach oben ist alles offen. Und ich MUSS sie dir zurückkaufen, selbst wenn sie bei fiktiven 3000 Euro steht!


Kontrahentenrisiko bei der Wertpapierleihe

Ausfallrisiko

Da neben dem Anleger und dem ETF-Herausgeber erneut eine dritte Partei ins Spiel kommt, besteht natürlich ebenfalls das benannte Kontrahenten- und Ausfallrisiko. Wer ist überhaupt diese "dritte Partei" und was passiert, wenn diese zahlungsunfähig wird und die Aktien nicht zurückkaufen kann? Wir zitieren mal die Aussage von einem der größten ETF-Anbieter (iShares von BlackRock):

 

"Am Anfang steht die Anfrage eines großen Finanzinstituts, das für kurze Zeit eine Aktie oder Anleihe von einem Fonds ausleihen möchte. Für das Ausleihen der Aktie oder Anleihe muss der Entleiher eine Gebühr zahlen und dem Fonds eine Sicherheit zur Verfügung stellen. Diese Sicherheit behält der Fonds für den Fall, dass der Entleiher nicht in der Lage ist, das entliehene Wertpapier zurückzugeben. Dabei muss der Wert der Sicherheit den Wert des entliehenen Vermögenswertes übersteigen. Dies ist eine Art „Sicherheitspolster“ für den Fonds, das ihn vor Verlusten schützt, wenn der Entleiher das Wertpapier nach Beendigung der Wertpapierleihe nicht zurückgibt."

 

Soviel zum Zitat... Die hinterlegten Sicherheiten bestehen oft aus anderen Aktien und/oder griechischen Staatsanleihen. ;)

Nein, wir wollen dir keine "Angst" machen, aber wir wollen auch nicht, dass du blind darauf vertraust, dass schon alles top ist! Informieren kann man sich immer bei den ETF-Anbietern! Meistens antworten sie auf Mails sehr fix.


Korrelation Indizes

5. Korrelationen von Indizes

 

Wahre Freunde halten zusammen, sie durchstehen ebenso die schönen Zeiten, wie auch die schlechten! So sollte das auch sein, doch mehrere ETFs auf stark befreundete Indizes zu besitzen, kann nicht unser Anliegen sein. Wir wollen diversifizieren bzw. breit streuen, ohne Busenfreundschaft.



Ted mit Zylinder oder lieber Toro mit Melone und Monokel? Hier gibts alles: Boss-Outfit-Shop!