Aktienboss


Die Tulpenkrise


"Blume gegen dein Cash?" "Deal!"

Tulpenkrise

Die Tulpe als Symbol für einen Börsencrash

Deine Oma hat immer viele Tulpen auf dem Esstisch stehen? Ja dann hätte sie vielleicht im 17. Jahrhundert zu den reichsten Frauen Hollands gehört, das allerdings nur kurz.

 

Was nach heutigen Maßstäben so unglaublich klingt, trat im 17. Jahrhundert in Holland ein: Millionäre wurden auf Grund ihrer Spekulation in Tulpenzwiebeln über Nacht zu Bettlern. Die Thematisierung dieses Szenarios hat sich bis heute durchgesetzt, um das Thema "Gier" und "Massenphänomene an der Börse" besser verdeutlichen zu können. Doch wie konnte es dazu kommen, dass eine Tulpenzwiebel den Wert eines Hauses übersteigen konnte (auch wenn es hinsichtlich dieser Wertsteigerung Diskussionen gibt, ob es sich dabei nicht um "Fake News" handelte)?

 

Die Holländer verliebten sich in diese Blume, nachdem sie von Adeligen aus der Türkei importiert wurde, damals "Tulipan" genannt. Schnell wurde sie ähnlich eines Diamanten zum Statussymbol aufgewertet. Häuser, Kutschen und Kleidung konnten mit ihnen bestückt und offen zur Schau gestellt werden. Der Besitz von Tulpen zeigte den Mitmenschen, dass man sozial höher gestellt war. Das ein oder andere Hochzeitsgeschenk der Reichen bestand nun aus Tulpenzwiebeln.

 

Die Blume gewann somit stetig immer mehr an Beliebtheit, sodass irgendwann eine regelrechte Gier nach ihnen ausbrach. Diese große Aufmerksamkeit brachte verständlicherweise auch enorme Wertzuwächse der Tulpenzwiebeln mit sich. Vielen willigen Käufern standen wenige Tulpenzwiebeln gegenüber die Preise explodierten nun. Das alles führte zu vielen Spekulationen mit der Blume. Es ging nicht mehr um die Schönheit, sondern in erster Linie um erhoffte Wertzuwächse: "Tulpenzwiebeln kaufen und später viel teurer weiterverkaufen."

 

Die bis dato hohe Nachfrage feuerte die Gier aller Spekulanten immer weiter an, selbst "Normalsterbliche" wollten nun ein Stück vom Kuchen abhaben und verschuldeten sich für den Kauf von Tulpenzwiebeln, denn bei diesen Wertzuwächsen konnte man ja nur gewinnen, oder nicht?


Blasenbildung

Blase Börse

Nachdem sich die Preise für die Tulpen stark aufgebläht hatten, kam es plötzlich zum Nadelstich in die Blase. Von Gier getrieben kaufte jedermann Tulpenzwiebeln, um noch reicher zu werden. Dafür wurden Schulden aufgenommen, Eigentum veräußert, um mit den Erlösen Zwiebeln erwerben zu können, einige gaben das letzte Hemd in der Hoffnung auf baldigen Reichtum.

 

Niemand kam aber auf die Idee, dass Tulpenzwiebeln auch auf einmal den holländischen Markt überschwemmen könnten. Plötzlich mussten die "Anleger" allerdings feststellen, dass "über Nacht" tüchtige Geschäftsleute große Mengen an Zwiebeln ins Land gebracht hatten und somit das Angebot nicht mehr über der Nachfrage stand.

 

Aus Gier wurde urplötzlich Panik, seine Tulpen nicht mehr gewinnbringend veräußern zu können. Und rennt der erste Spekulant schreiend im Kreis, so wird ihm schnell die Herde folgen. Die Tulpenblase platzte und Zwiebeln waren nichts mehr wert. Gestern noch reiche Spekulanten rutschten in die Mittellosigkeit, oft hochverschuldet.

 

Jeder wollte mitverdienen und bezahlte völlig übertriebene Preise für die Tulpen. Gier und Glaube führten zur Blasenbildung. Dieser "Glaube" an ewiges Wachstum der Tulpenpreise wurde von erfahrenen Abzockern angeheizt. Sie lockten mit "Tulpenpropaganda" die kleinen Spieler an den Roulettetisch, um sie später ordentlich abkassieren zu können.

 

"Und was hat das alles mit der Gegenwart zu tun?" Neben den Börsenweisheiten wollen wir dir das kurz erklären:


Der Bildzeitungsindikator

Bildzeitungsindikator

Hast du schon mal etwas von dem "Bildzeitungsindikator" gehört? Dieses Phänomen bezieht sich auf (stark) steigende Aktienkurse, die allem Anschein nach von kaufinteressierten und uninformierten Kleinanlegern extrem begünstigt werden. Man spricht auch von der Putzfrauen- oder Dienstmädchenhausse - hier wird dasselbe Phänomen thematisiert.

 

Die These: Steig aus dem Aktienmarkt aus, wenn die Bildzeitung auf der Titelseite positiv von Wertpapieren berichtet. Viele unerfahrene Anleger kommen nun mit hohen Erwartungshaltungen auf die Idee, zu investieren. Opa Heinz steht samstags nicht mehr hinter dem Rasenmäher, sondern verfolgt auf einmal die aktuellsten Börsennachrichten.

 

Man hat die Angst, dass sich diese "Investoren" ebenso schnell und panikartig wieder aus dem Aktienmarkt verabschieden; es kommt zu schnellen Kursrutschen nach anfänglicher Blasenbildung, sprich irrationalen Kurssteigerungen. Unter "irrational" kann man in diesem Kontext verstehen, dass sich die Aktienkurse wesentlich schneller nach oben bewegt haben als das tatsächliche Unternehmenswachstum.

 

Der Börsen-Altmeister André Kostolany sprach immer gerne von zittrigen Anlegern und Börsenspielern durch Gier und Panik getrieben ohne Ideen, ohne Anlagestrategien und oft der Herde hinterherrennend.


André Kostolany sagt:

Kostolany

"Dank meiner Popularität konnte ich Stimmungsveränderungen immer besonders gut aufspüren. [...] Fragte mich meine Caféhausbedienung, ob man Daimler oder besser IBM kaufen solle, spürte ich, dass der Markt heißgelaufen war."

 

Kostolany bezieht sich hier auf die Medien. Berichten diese positiv über Aktien, so wollen auf einmal Menschen investieren, die gestern noch nicht wussten, was eine Aktie überhaupt ist. Der Markt läuft somit "heiß", die Kurse steigen irrational an.

 

Im umgekehrten Sinne sind negative Pressemeinungen für Kostolany interessant, da hier die Aktien möglicherweise günstig zu haben sind. Die uninformierten "Anleger" haben ihre Wertpapiere verkauft.


Börsencrash

Anleihen

 

Als Aktionär/Aktionärin bist du Miteigentümer/Miteigentümerin einer Aktiengesellschaft. Besitzt du jedoch Anleihen, so hast du deine Kohle nur verliehen - selbstverständlich bekommst du dafür Zinsen. Somit bist du Gläubiger und nicht Miteigentümer. Ted benötigt neue Kohle, aktuell über verschiedene Anleihen.